Liebe Schwestern und Brüder,
„Das ist Eure Stunde, jetzt hat die Finsternis die Macht!“
Ein gruseliger Satz! Wie oft müssen wir so denken?!
Krieg und Gewalt eskaliert – Unglücke und Schicksalsschläge legen sich finster auf unsere Seelen. Mächtige, Gewalttätige, Feinde – wir blicken auf Menschen, die mit finsteren Mächten im Bunde zu sein scheinen.
Der gruselige Satz ist ein Jesuswort und steht im Lukasevangelium und bildet das Ende der Gefangennahme Jesu. Auf dieses Wort folgt die Szene mit der Verleugnung durch Petrus. Jesus, der Sohn Gottes, lässt sich den finsteren Mächten ausliefern.
Warum ist er nach Jerusalem gezogen? Er wusste doch um die Gefahr! Warum ist er nicht geflohen? Warum hat er sich nicht von seinen Jüngern verteidigen lassen? Warum hat er nicht die Legionen der Engel angefordert? Warum hat er mit der ganzen Finsternis nicht ein für alle Mal Schluss gemacht?
Es wäre das Ende der Welt gewesen. Das Grundgesetz der ganzen Schöpfung ist das Werden und Vergehen. Das Universum, die Welt und mit ihnen auch der Mensch, existieren in den entsprechenden Gegensätzen. Zu ihnen gehört eben auch Gut und Böse. Manchmal sagen mir alte und kranke Menschen, die ihr irdisches Ende nahen sehen: Es muss so sein – ich muss für die Kommenden Platz machen.
Diese Aussage ist zugleich ganz rational, wie auch dem Evangelium gemäß: Ich ergebe mich dem Grundgesetz der Schöpfung und lasse mich durch das Licht des neuen Lebens trösten. Was irgendwie nicht gerade glaubensvoll klingt, ist nichts anderes als das Wort Jesu am Kreuz: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“.
Eine solche Haltung beinhaltet sehr viel Licht und Frieden. Sie ist die Voraussetzung für Ostern. Die österliche Haltung kann das Leben der Menschen wesentlich erleichtern. Doch dazu bedarf es Glauben. Gerade in der Heiligen Woche wird dieser besonders intensiv verkündet. Lasst uns die österlichen Worte des Lebens mit wachem Herzen aufnehmen!
Ich wünsche Euch und den Euren, auch im Namen des Pastoralteams,
ein glaubensvolles und gesegnetes Osterfest!
Pfarrer Bernd Götze



